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Walking a Straight Line
2020, GPS Logdaten als Lasergravur in Stein, 45 × 30 × 2 cm

Am 24. September 2020 lief ich eine Strecke von knapp 1,2 km in Form einer geraden Linie. Mit Hilfe meines Mobiltelefons zeichnete ich den zurückgelegten Weg als Bewegungsprofil auf. Mein Telefon berechnete alle 7 Sekunden seine exakte Position und speicherte Uhrzeit, Längen- und Breitengrad, sowie die Höhe über dem Meeresspiegel in einem GPS-Logfile.

[…] Als Richard Long 1967 erstmals „A Line Made by Walking“ präsentierte, exemplifizierte der junge Künstler jene protokollarischen Systeme der Aufzeichnung, die in konzeptuellen künstlerischen Praktiken bis heute zum methodischen Standard gehören. Mit der Fotografie einer nicht näher bestimmten Wiese in der Nähe Londons, die Long in Form einer geraden Linie ausgetreten hatte, dokumentierte er nicht nur das Ergebnis einer Aktion, die heute zu den Ikonen der Land Art gehören. Schon mit der Performance an sich zeichnete er die Zeit auf, die verging, um den Boden mit seinen Schritten zu markieren. Darüber hinaus verarbeitete er seinen eigenen Körper, dessen Gewicht und Bewegung verantwortlich für das Plätten des Grases waren, zu Information. Die Beliebigkeit des Ortes – diese Wiese irgendwo im England der 1960er-Jahre – verstärkte zudem die Reflexion auf ein Koordinatensystem, das sich aus dem Zusammenwirken der Dreiheit von „Ich“, „Hier“ und „Jetzt“ speiste.

Knapp 60 Jahre später und mit Themen wie digitaler Überwachung, Netzwerkkapitalismus und zuletzt wieder verstärkt kursierenden Verschwörungstheorien im Hinterkopf, hat sich nicht nur die geopolitische Situation verändert, auch die Medien der Aufzeichnung sind unter anderen Vorzeichen zu begreifen. Dennoch lässt sich Ruben Aubrechts künstlerische Praxis mit der von Richard Long zusammenführen: „Walking a Straight Line“ lautet der Titel des ersten Werks einer mehrteiligen Serie, die von einer App aufgezeichnete GPS-Trackingdaten nutzt, um eine gerade Linie sowohl aus dem globalen Netzwerk an Informationen herauszuschälen als sich mit einer Linie in ebendieses globale Netzwerk wieder einzuschreiben. Die so genannten Metadaten, Textelemente, die in bestimmten Abständen Zeit und Ort der Bewegung des Mobiltelefons Ruben Aubrechts beschreiben, hat der Künstler in eine schwarze Steinplatte mit polierter Oberfläche lasern lassen.
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Text: Franz Thalmair